aus RN-Wissen, der freien Wissensdatenbank
Wechseln zu: Navigation, Suche



In C versteht man unter Inline Assembler die Möglichkeit, direkt Assembler-Befehle in den Code einzufügen bzw. die eingefügten Assembler-Befehle selbst.

Neben den einzufügenden Befehlen muss beschrieben werden, welche Nebeneffekte die Befehle auf die Maschine haben und wo/wie Parameter übergeben werden, bzw. wie die Zuordnung von Variablen zu den Registern ist. Diese Beschreibung ist notwendig weil der Compiler keine Vorstellung davon hat, welche Effekte und Nebenwirkungen die Assembler-Kommandos auf Register, Variablen und Speicher haben, denn der Assembler-Schnippsel ist für den Compiler lediglich eine "Black Box".

Obgleich das dazu verwendete Schlüsselwort __asm zum ANSI-C-Standard gehört, ist dies in jedem C-Compiler anders implementiert. Das gilt insbesondere für die Schnittstellenbeschreibung Variablen/Register. Dieser Artikel bezieht sich auf den Inline Assembler von avr-gcc. Viele Erklärungen aus diesem Artikel sind auch gültig für Inline-Assembler anderer C-Compiler der gcc-Familie. Instruktionen und Registerklassen werden sich aber unterscheiden, weil diese natürlich abhängig sind vom verwendeten Controller bzw. der Controller-Familie.

Assembler oder Inline-Assembler?

Assembler
Längere und komplexere Code-Stücke sind komfortabler direkt in Assembler auszudrücken. Dazu schreibt man Assembler-Funktionen und ruft diese von C aus auf. Natürlich können auch C-Funktionen von Assembler aus aufgerufen werden. Zudem kann man im Assembler den C-Präprozessor nutzen, was bei Inline-Assembler nur auf C-Ebene geht. Der Build-Prozess wird allerdings komplizierter, da extra asm-Dateien übersetzt werden müssen. Ein typischer Fall ist es, eine komplette ISR in Assembler zu schreiben.
Inline-Assembler
Mit Inline-Assembler kann man kleine Assembler-Stückchen direkt in den C-Code einbetten. Es muss dann keine Assembler-Funktion aufgerufen werden. Dies kann von der Registerverwendung her deutlich günstiger sein, da gcc genau weiß, welche Register gebraucht werden und welche nicht.
Eine (Assembler-)Funktion ist hingegen eine Black Box, bei der von der Standard-Registerverwendung ausgegangen werden muss, auch wenn weniger Register in der Funktion verwendet werden. Ein Funktionsaufruf bedeutet also meistens einen Laufzeit-Overhead im Vergleich zu einem Inline-Code.
Bei mehrfacher Verwendung einer längeren Codesequenz ist eine Funktion jedoch sparsamer im Flash-Verbrauch. Legt man eine Funktion als C-Funktion an und ihren Body als Inline-Assembler (eine s.g. Stub-Funktion, von engl. Stub = Stumpf), dann übernimmt gcc das Verwalten von Funktions-Argumenten, return-Wert, etc. und man brauch sich nicht selber um die Aufruf-Konvention zu kümmern. Auch innerhalb einer Funktion kann C mit Assembler gemischt werden.
Ein Vorteil von Inline-Assembler ist, daß eine C-Funktion, die Inline-Assembler enthält, vom C-Compiler geinlinet werden kann. Dies ist mit einer reinen Assembler-Funktion nicht möglich.

Begriffe

Assembler-Template
Das Template (Schablone) ist ein statischer, konstanter String im Sinne von C. Es enthält die Assembler-Befehle sowie Platzhalter, in deren Stelle später die Operanden treten
Constraint
Die Constraints (Nebenbedingungen) beschreiben Einschränkungen an die zu verwendeten Register. Dies ist notwendig, da nicht alle Maschinenbefehle auf alle Register anwendbar sind
Clobber-List
Das ist eine Liste von Registern, deren Inhalt durch den Inline-Assembler zerstört wird

Syntax und Semantik

Das Schlüsselwort, um eine Inline-Assembler Sequenz einzuleiten, ist __asm (ANSI). Oft ist auch asm oder __asm__ verwendbar. Um zu kennzeichnen, daß die Sequenz keinesfalls wegoptimiert werden darf – etwa dann, wenn der Assembler keine Wirkung auf C-Variablen hat – wird dem asm ein volatile bzw. __volatile nachgestellt. Danach folgen in runden Klammern die durch : getrennten Abschnitte des Inline-Assemblers:

asm volatile (asm-template : output-operand-list : input-operand-list : clobber-list);

Abschnitte, die leer sind, können auch weggelassen werden, wenn dahinter kein weiterer Abschnitt folgt:

asm volatile (asm-template);

Oder, wenn weder Input- noch Output-Operanden gebraucht werden, aber Register oder Speicher verändert werden:

asm volatile (asm-template ::: clobber-list);

Aus Compiler-Sicht werden die Assembler-Befehle im Template parallel, also gleichzeitig ausgeführt! Dies ist zu bedenken, wenn Register sowohl als Input als auch als Output verwendet werden.

Ab Version 4.5 kennt GCC asm goto, mit dem ausgedrückt werden kann, dass der Codefluß des Assembler-Teils u.U. zu einem Stück C-Code springt:

asm goto (asm-template : /* Leer */ : input-operand-list : clobber-list : C-labels);

Assembler-Template

Im Template stehen die durch Zeilenumbrüche getrennten Assembler-Befehle. Das Template kann zudem %-Ausdrücke als Platzhalter enthalten, welche durch die Operanden ersetzt werden. Dabei bezieht sich %0 auf den ersten Operanden, %1 auf den zweiten Operanden, etc. Die Operanden selbst werden im zweiten und dritten Abschnitt des Templates als Komma-getrennte Liste angegeben. Diese Ersetzung findet jedoch nur dann statt, wenn das asm nicht nur aus einem String besteht:

asm ("10% mehr");    /* "10% mehr" */
asm ("10%% mehr" :); /* "10% mehr" */

Ein Platzhalter kann zusätzlich einen einbuchstabigen Modifier enthalten, um den Operanden in printf-ähnlicher Manier in einem speziellen Format darzustellen. Wird z.B. ein Wert ab Register r28 (dem Y-Register) gehalten, dann wären folgende Ersetzungen denkbar (als erstes Argument):

%0     →  r28
%A0    →  r28
%B0    →  r29
%C0    →  r30
%D0    →  r31
%a0    →  y  

Im einfachsten Falle enthält das Templater nur einen Befehl:

"nop"

oder sogar garkeinen Befehl oder lediglich einen Kommentar:

"; ein Kommentar"
Tabelle: asm-Platzhalter und ihre Modifier, Sonderzeichen
Platzhalter wird ersetzt durch AVR-spezifisch
%n Wird ersezt durch Argument n mit n = 0...9
%An das erste (untere) Register des Arguments n (Bits 0...7) X
%Bn das zweite Register des Arguments n (Bits 8...15)
%Cn das dritte Register des Arguments n (Bits 16...23)
%Dn das vierte Register des Arguments n (Bits 24...31)
%an Ausgabe des Arguments als Adress-Register,
also als x, y bzw. z. Erlaubt zusammen mit Constraint b, e, x, y, z
X
%in Ab 4.7. Ausgabe einer RAM-Adresse als I/0-Adresse. Beispiel: 0x30 wird auf Xmega-Controllern als 0x30 ausgegeben und auf nicht-Xmega als 0x10. X
%rn Ab 4.8. Ausgabe eines Registers ohne die Register-Präfix "r". Damit kann per Inline-Assembler auf 64-Bit Variablen zugegriffen werden, z.B. kann mit "clr %r0+7" das High-Byte gelöscht werden. X
%Tn%Tm Ab 4.7. Gibt einen Doppel-Operanden aus wie er zum Beispiel in BLD oder BST benötigt wird, d.h. durch ein Komma getrennte Register- und Bitnummer. Das erste %T erhält ein Register und speichert es zwischen bis zum nächsten %T, das die konstante Bitnummer m enthält. Die Ausgabe erfolgt erst mit dem zweiten %T: Beispielsweite kann durch folgende Zeile das High-Bit von var gelöscht werden:
asm ("clt $ bld %T[v]%T[b]" : [v] "+r" (var) : [b] "n" (8*(sizeof var)-1));
X
%Tn%tm Ab 4.7. Funktioniert wie %Tn%Tm, es wird aber nur das zum Bit m gehörende Register ausgegeben, d.h. weder Komma noch Bitnummer. X
%xn Ab 4.5. Gibt ein Label ohne Operand-Modifier gs() aus. X
%~ wird auf AVR mit Flash bis max. 8kiByte durch ein r ersetzt, ansonsten bleibt es leer.
Zum Aufbau von Sprungbefehlen, etwa "%~call foo"
X
%! Ab 4.4. Wird auf AVR mit Flash ab 128kiByte durch ein e ersetzt, ansonsten bleibt es leer.
Zum Aufbau von indirekten Sprungbefehlen, etwa "%!icall"
X
%= eine für dieses asm-Template und die Übersetzungseinheit eindeutige Zahl.
Zum Aufbau lokaler Sprungmarken.
Sequenz wird ersetzt durch Sonderzeichen AVR-spezifisch
%% das %-Zeichen selbst
\n ein Zeilenumbruch zum Trennen mehrerer asm-Befehle/Zeilen
$ trennt mehrere Befehle in der gleichen Zeile X
\t ein TAB, zur Übersichtlichkeit im erzeugten asm
\" ein " wird eingefügt
\\ das \-Zeichen selbst
Kommentar Beschreibung AVR-spezifisch
; Text einzeiliger Kommentar bis zum Ende des Templates bzw. nächsten Zeilenumbruch X
/* Text */ mehrzeiliger Kommentar wie in C

Operanden und Constraints

Ein Operand besteht aus der Angabe des Constraint-Strings (also der Registerklasse und Kennzeichnung, ob es sich um einen Output-Operanden handelt) und dahinter in runden Klammern der C-Ausdruck, der in Register der angegebenen Klasse geladen werden soll. Die Operanden werden mit 0 beginnend von links nach rechts durchnumeriert und über diese Nummer angesprochen, um sie ins Assembler-Schnippsel einzufügen.

Mehrere Input- bzw. Output-Operanden werden durch Komma getrennt.

Tabelle: Constraints und ihre Bedeutung
Constraint Register Wertebereich   Constraint Konstante Wertebereich
a einfache obere Register r16...r23 G Floatingpoint-Konstante 0.0
b Pointer-Register y, z i Konstante, entspricht "sn"  
d obere Register r16...r31 s symbolischer Wert  
e Pointer-Register x, y, z n Wert bekannt zur Compilezeit  
l untere Register r0...r15 I positive 6-Bit-Konstante 0...63
q Stack-Pointer SPH:SPL J negative 6-Bit Konstante -63...0
r ein Register r0...r31 M 8-Bit Konstante 0...255
t Scratch-Register r0  
w obere Register-Paare r24, r26, r28, r30 Constraint Memory Wertebereich
x Pointer-Register X x (r27:r26) m Memory  
y Pointer-Register Y y (r29:r28)  
z Pointer-Register Z z (r31:r30)
0...9 Identisch mit dem angegebenen Operanden
Wird verwendet, wenn ein Operand sowohl als Input
als auch als Output dient, um sich auf diesen
Operanden zu beziehen


Tabelle: Constraint Modifier
Modifier Bedeutung
= der Operand ist Output-Operand
& diesen Operanden nicht als Input-Operanden verwenden,
sondern nur als Output-Operand
+ dieser Operanden ist Input- und Output-Operand


Ein Input-Operand könnte also so aussehen, wobei foo eine C-Variable ist. Als Register dient ein (je nach Typ von foo auch mehrere) obere Register, irgendwo von r16 bis r31 (Constraint "d"):

"d" (foo)

In den Klammern kann ein beliebiger, gültiger C-Ausdruck stehen, der beim folgenden Beispiel in irgendeinem Register landet (Constraint "r"), ohne weitere Einschränkung an das Register:

"r" ((foo >= 0) ? foo : -foo)

Um einen Operanden als Output-Operanden zu kennzeichnen, wird dem Constraint ein "=" vorangestellt. Soll foo ein Output-Operand sein, der in den Registern r0...r15 landen soll (Constraint "l", sieht es so aus. Dabei muss foo ein sogenannter Lvalue sein, also ein Wert, dem etwas zugewiesen werden kann:

"=l" (foo)

Ist foo sowohl Input als auch Output, schreibt man foo als Output- und als Input-Operand hin. In der Input-Constraint bezieht man sich dann auf die Operanden-Nummer von foo. Hier ein komplettes Beispiel, das die Nibbles von foo tauscht. Weil swap auf alle Register anwendbar ist, kann als Registerklasse "r" genommen werden:

unsigned char foo;
...
asm ("swap %0" : "=r" (foo) : "0" (foo));

foo als Input-Operand soll im gleichen Register liegen wie foo als Output-Operand. Daher wird als Constraint "0" angegeben, d.h. es wird ins gleiche Register geladen wie der Operand Numero 0 "r" (foo).

Benannte Constraints

Um das Assembler-Schnippsel besser lesbar zu halten, kann man Constraints einen Namen geben:

asm ("swap %[bar]" : [bar] "+r" (foo));

Damit ist der Assembler auch unabhängig von der Reihenfolge der Operanden. Das macht die Anpassung, wenn ein neuer Operand hinzukommt, wesentlich einfacher und den Schnippsel zudem besser lesbar.

Hier wird bar als Alias für die C-Variable foo benutzt; es könnte aber auch jeder andere gültige C-Bezeichner sein, also insbesondere auch foo.

Instruktionen und Constraints

Die folgende Tabelle enhält eine Auflistung von AVR-Instruktionen und dazu passende Argumente bzw. Constraints. Nicht alle Shorthands sind in der Tabelle enthalten, so ist "clr Rn" nur eine Abkürzung für "eor Rn, Rn", ähnliches gilt für den Zoo von Instruktionen rund um das SREG wie branch, bit set, bit clear, etc., die im Endeffekt auf nur vier Instruktionen abbilden. Instruktionen wie nop, die keine Argumente brauchen, sind ebenfalls nicht in der Tabelle enthalten. Gleiches gilt für den Krypto-Befehl des, für die keine Constraint verfügbar ist.

"load" ist ein "load from SRAM"
"store" ist "store to SRAM"

Tabelle: Übersicht AVR-Instruktionen und passende Constraints
Mnemonic Constraint Bedeutung   Mnemonic Constraint Bedeutung
adc r,r add with carry add r,r add
adiw w,I add immediate to word and r,r and
andi d,M and with immediate asr r arithmetic shift right
bclr I bit clear in SREG bld r,I bit load from T
brbc I,label branch if bit in SREG clear brbs I,label branch if bit in SREG set
bset I bit set in SREG bst r,I bit store from T
cbi I,I clear bit in I/O com r complement
cp r,r compare cpc r,r compare with carry
cpi d,M compare against immediate cpse r,r compare, skip if equal
dec r decrement [e]lpm r,z load from program memory1
eor r,r exclusive-or fmul* a,a fractional multiply
in r,I input from I/O inc r increment
lac z,r load and clear lat z,r load and toggle
las z,r load and set  
ld r,e load indirect ld r,e+ load indirect, post-increment
ld r,-e load indirect, pre-decrement ldd r,b+I load indirect with displacement
ldi d,M load immediate lds r,label load direct from SRAM
lpm t,z load from program memory1 lsr r logical shift right
mov r,r move movw r,r move word
mul r,r multiply unsigned muls d,d multiply signed
mulsu a,a multiply signed/unsigned  
neg r negate or r,r or
ori d,M or with immediate out I,r output to I/O
pop r pop from Stack push r push to Stack
ror r rotate right  
sbc r,r subtract with carry sbci d,M subtract with carry immediate
sbic I,I skip if bit in I/O clear sbis I,I skip if bit in I/O set
sbi I,I set Bit in I/O sbiw w,I subtract immediate from word
sbrc r,I skip if bit in register clear sbrs r,I skip if bit in register set
st e,r store indirect st e+,r store indirect, post-increment
st -e,r store indirect, pre-decrement std b,r store indirect with displacement
sts label,r store direct sub r,r subtract
subi d,M subtract immediate swap r swap nibbles
xch z,r exchange  

1 Je nach Derivat werden die folgenden lpm-Ausprägungen unterstützt oder nicht:

  • lpm
  • lpm r,z bzw. lpm r,z+
  • elpm
  • elpm r,z bzw. elpm r,z+

Hier noch ein paar der gebräuchlichsten Shorthands und deren Abbildung auf "Basis"-Instruktionen:

Tabelle: Shorthands
Shorthand gleichbedeutend mit Bedeutung   Shorthand gleichbedeutend mit Bedeutung
rol r adc r,r rotate left cbr r,M andi r, ~M clear bits in reg
clr r eor r,r clear reg to zero lsl r add r,r logical shift left
sbr d,M ori d, M set bits in reg ser d ldi d, 0xff set all bits in reg
tst r and r,r test against zero  

Clobbers

In der Komma-getrennten Clobber-Liste kann man angeben, welche Register durch den Inline-Assembler ihren Wert ändern. Ändern z.B. r2 und r3 ihre Werte, dann ist die Clobber-Liste

"r2", "r3"

Wird schreibend auf das RAM zugegriffen, dann muss man das auch mitteilen, damit RAM-Inhalte, die sich evtl. in Registern befinden, nach dem Inline-Assembler neu gelesen werden. Der Clobber dafür ist:

"memory"

Beispiel:

Es soll ein Inline-Assembler geschrieben werden, das den Inhalt zweier aufeinanderfolgender Speicherstellen austauscht. Die Adresse soll in addr stehen. Sie ist Input-Operand und muss in Register X, Y oder Z stehen, um den ld bzw. st-Befehl anwenden zu können. Die passende Constraint ist also "e". Nach der Sequenz liegt addr unverändert vor.

   asm volatile (
      "ld r2,  %a0+"   "\n\t"
      "ld r3,  %a0"    "\n\t"
      "st %a0,  r2"    "\n\t"
      "st -%a0, r3"
         : /* keine Output-Operanden */
         : "e" (addr)
         : "r2", "r3", "memory"
   );

avr-gcc entscheidet sich dazu, das Z-Register für addr zu verwenden:

	ld r2,  Z+
	ld r3,  Z
	st Z,  r2
	st -Z, r3

Günstiger ist es jedoch, dem Compiler auch die Entscheidung zu überlassen, welche(s) Register als Hilfsregister verwendet werden sollen. Ein Register kann __tmp_reg__ sein, für das zweite legen wir eine lokale 8-Bit-Variable hilf an:

   {
      char hilf;
	
      asm volatile (
         "ld __tmp_reg__,  %a1+"           "\n\t"
         "ld %0,           %a1"            "\n\t"
         "st %a1,          __tmp_reg__"    "\n\t"
         "st -%a1,         %0"
            : "=&r" (hilf)
            : "e"   (addr)
            : "memory"
      );
   }

__tmp_reg__ (also r0) brauch nicht in die Clobber-Liste aufgenommen zu werden. Um das zweite benötigte Register (hier r24, in dem hilf lebt) kümmert sich avr-gcc und sichert es, falls nötig

       	ld	r0, Z+
       	ld	r24, Z
       	st	Z, r0
       	st	-Z, r24

Falls das Register r1 verändert wird – was z.B. geschieht, wenn man Multiplikationsbefehle verwendet – dann muss am Ende des Templates das Register wieder auf 0 gesetzt werden, denn bei avr-gcc enthält dieses Register immer den Wert 0. Das Register in die Clobber-Liste aufzunehen bleibt wirkungslos. Hat man es zerstört, dann schreibt man ans Ende des Templates ein

clr __zero_reg__

und stellt es dadurch wieder her.

asm goto mit C-Labels

Ab Version 4.5 kennt GCC asm goto, mit dem ausgedrückt werden kann, dass der Codefluß des Assembler-Teils u.U. zu einem Stück C-Code springt:

asm goto (asm-template : /* Leer */ : input-operand-list : clobber-list : C-labels);

Die Codefluß-Analyse des Compilers muss wissen, daß die angegebenen C-Code Sequenzen verwendet werden, damit sie nicht wegoptimiert werden. Solch ein Inline-Assembler mit goto darf keine Output-Operanden haben, denn der Compiler hat keine Möglichkeit, Code für die entsprechenden Output-Reloads zu erzeugen.

Beispiel
extern void __attribute__((noreturn))
panic (void);

char panic_if_x (char x)
{
    asm goto ("cpse %0, __zero_reg__" "\n\t"
              "%~jmp %x1"             "\n\t"
              "%~jmp %x2"
              :: "r" (x) :: proceed, do_panic);
    __builtin_unreachable();
    
    if (0)
    {
    do_panic:
        panic();
    }
    
    if (0)
    {
    proceed:
        x++;
    }
    
    return x;
}

Im Beispiel wird der Inline-Assembler nur über die Marken do_panic oder proceed verlassen, weshalb der Code direkt danach unerreichbar ist. Dies wird der Codefluß-Analyse per __builtin_unreachable() mitgeteilt. Es wird folgender Code erzeugt:

panic_if_x:
/* #APP */
	cpse r24,__zero_reg__
	rjmp .L2
	rjmp .L3
/* #NOAPP */
.L3:
	rcall panic
.L2:
	subi r24,lo8(-(1))
	ret

Vordefinierte Bezeichner und Makros

Je nach Assembler, für den avr-gcc Code erzeugt, gibt es unterschiedliche vordefinierte Funktionen/Makros, die von Inline-Assembler aus verwendbar sind.

GNU-Assembler

Vordefinierte Makros und
Relocatable Expression Modifiers

 
Bezeichner Bedeutung
__SP_L__ unteres Byte des Stack-Pointers, für in bzw. out
__SP_H__ oberes Byte des Stack-Pointers, für in bzw. out
__SREG__ Status-Register, für in bzw. out
__tmp_reg__ ein Register zur temporären Verwendung (r0)
__zero_reg__ ein Register, das 0 enthält (r1)
lo8(const) Bits 0...7 der Konstanten const
hi8(const) Bits 8...15 der Konstanten const
hlo8(const)
hh8(const)
Bits 16...23 der Konstanten const
hhi8(const) Bits 24...31 der Konstanten const
pm(const) Konstante const durch 2 geteilt,
zur Berechnung von Word-Adressen für icall und ijmp.
pm_lo8(const)
pm_hi8(const)
pm_hh8(const)
Abkürzung für lo8(pm(const))
Abkürzung für hi8(pm(const))
Abkürzung für hh8(pm(const))
gs(label) Word-Adresse von label. Für Devices mit mehr als 128k Flash wird die Adresse eines Jump-Pads eingetragen. Der Linker erzeugt ein Jump-Pad, das einen direkten Sprung zu label erhält. gs(label) wird durch diese Adresse ersetzt.

Beispiele

nop

Mit den bisherigen Vorkenntnissen ist zu nop nicht viel zu sagen:

asm volatile ("nop");

Oder als C-Makro:

#define nop() \
   asm volatile ("nop")

nop hat weder Input- noch Output-Operanden, und Register/RAM ändern sich natürlich nicht. Bei der Makro-Definition ist lediglich darauf zu achten, daß das Makro nicht mit einem ; endet, damit man den C-Code wie gewohnt mit ; schreiben kann:

if (x)
   nop();
else
   ...

swap Nibbles

Ein einfaches Beispiel für swap haben wir bereits oben kennen gelernt. Der Inline-Assembler dreht die Nibbles von foo um:

unsigned char foo;
...
asm ("swap %0" : "+r" (foo));

Wünschenswert wäre eher, swap wie eine normale C-Funktion verwenden zu können und hinzuschreiben:

a = swap(b);

ohne daß b seinen Wert ändert. Soll b geswappt werden, dann via

b = swap(b);

zudem soll das Argument ein Ausdruck sein können:

if (b == swap (b+1))
   ...

Dazu verwenden wir eine lokale Variable _x_, in die der ursprüngliche Wert x gesichert wird:

#define swap(x)                                            \
 ({                                                        \
    unsigned char _x_ = (unsigned char) x;                 \
    asm ("swap %0" : "+r" (_x_));                          \
    _x_;                                                   \
  })

alternativ könnten wir eine inline-Funktion definieren:

static inline unsigned char swap (unsigned char x)
{
    asm ("swap %0" : "+r" (x));
    return x;
}

swap Bytes

Werden Zahlen zwischen verschiedenen Plattformen übertragen, kann es sein, daß diese unterschiedlich dargestellt werden: Das low-Byte kann in sich im unteren Byte befinden (AVR), es kann aber auch im oberen Byte sein. Ist das so, dann müssen die Werte beim Senden/Empfang umgewandelt werden, indem die Bytes getauscht werden. Liegt der 16-Bit-Wert in x_in und soll der konvertierte Wert nach x_out gespeichert werden, dann könnte man auf die Idee kommen, so etwas zu schreiben:

   asm (
      "mov %A0, %B1"   "\n\t"
      "mov %B0, %A1"
         : "=r" (x_out)
         : "r"  (x_in)
   );

Daraus könnte folgender Code entstehen:

     mov    r24, r25
     mov    r25, r24

Das ist offenbar Käse! Was ist passiert?

avr-gcc hat sich dazu entschieden, x_in in r25:r24 anzulegen. Auch x_out wird in diesen Registern angelegt. Das ist erst mal in Ordnung, wenn x_in nach dem Inline nicht mehr gebraucht wird.

Allerdings wird das Inline nicht en bloc — also nicht zeitparallel — ausgeführt, sondern sequenziell. Bei gleichzeitiger Ausführung der beiden mov-Instruktionen wäre auch nichts dagegen zu sagen! Ein swap-Kommando z.B. tauscht die Nibbles gleichzeitig, und der Input-Operand kann im gleichen Register leben wie der Output-Operand, wenn der Input nicht weiter verwendet wird.

Mit den beiden Bytes geht es aber nicht. Wir müssen daher kennzeichnen, daß sich x_out in einem Register befindet, das nur als Output dient, was durch das & in der Output-Constraint erreicht wird:

   asm (
      "mov %A0, %B1"   "\n\t"
      "mov %B0, %A1"
         : "=&r" (x_out)
         : "r"   (x_in)
   );

Damit erfolgt eine korrekte Registerzuordnung. x_out steht jetzt in r19:r18 und überschneidet nich nicht mehr mit x_in:

       	mov	r18, r25
       	mov	r19, r24

Alternativ können wir wie bei swap Nibbles eine lokale Variable verwenden, und alles als (inline-)Funktion machen.


Zugriff auf SFRs

Um auf SFRs zuzugreifen, können im asm-Template keine Defines aus avr/io.h verwendet werden, weil der Präprozessor nicht mehr über den erzeugten Assembler-Code läuft (er läuft vor dem Compilieren). Um nicht die hex-Codes des SFRs angeben zu müssen, kann man dem Inline die Adressen als Konstanten übergeben. Weil die Adressen RAM-Adressen sind, müssen sie in das _SFR_IO_ADDR Makro verpackt werden, um den Offset für den I/O-Bereich abzuziehen. tcnt1 wird auf den Inhalt von TCNT1 gesetzt:

#include <avr/io.h>
   ... 
   uint16_t tcnt1;

   asm volatile (
      "in %A0, %1"    "\n\t"
      "in %B0, %1+1"
         : "=r" (tcnt1)
         : "M" (_SFR_IO_ADDR (TCNT1))
   );

wird umgesetzt zu

	in r24, 44
	in r25, 44+1

Ab avr-gcc 4.7 kann auch der Operand-Modofier %i verwendet werden, um eine RAM-Adresse, wie sie von avr/io.h definiert werden, als I/O-Adresse auszugeben:

   uint16_t tcnt1;

   asm volatile (
      "in %A0, %i1"    "\n\t"
      "in %B0, %i1+1"
         : "=r" (tcnt1)
         : "n" (& TCNT1)
   );

Das nur als Beispiel. Von C aus geht das natürlich auch mit

uint16_t tcnt1 = TCNT1;

Zugriff aufs SRAM

Auf bekannte globale Symbole kann man direkt von Assembler aus zugreifen:

   extern int einInt;

   asm volatile (
      "lds %A0, einInt"   "\n\t"
      "lds %B0, einInt+1"
         : "=r" (...)
   );

ergibt

	lds r24, einInt
	lds r25, einInt+1

alternativ ginge

   asm volatile (
      "lds %A0, %A1"   "\n\t"
      "lds %B0, %B1"
         : "=r" (...)
         : "m" (einInt)
   );

Falls die Adresse eines Objekts zur Compilezeit bekannt ist, kann man auch die Adresse von C aus übergeben:

struct foo_t {
   int a[2], b[2];
} foo;

...
{
   asm volatile (
      "lds %A0, %1"    "\n\t"
      "lds %B0, %1+1"
         : "=r" (...)
         : "i" (& foo.b[1])
   );
}

ergibt

	lds r24, einStruct+6
	lds r25, einStruct+6+1

Falls die Adresse zur Compilezeit nicht bekannt ist, muss sie natürlich in einem Adress- oder Basisregister übergeben werden:

void blah (struct foo_t * pfoo)
{
   asm volatile (
      "ld  %A0, %a1"    "\n\t"
      "ldd %B0, %a1+1"
         : "=&r" (...)
         : "b" (& pfoo->b[1])
   );
}

ergibt

	ld  r24, Z
	ldd r25, Z+1

Auch hier muss der Output-Operand mit einem & gekennzeichnet werden, damit er nicht ins gleiche Register geladen wird wie die Adresse.

Labels und Schleifen

Für Labels in Sprüngen und Schleifen können keine festen Bezeichner verwendet werden, weil ein Label, der via Makro oder inline-Funktion in den Code eingefügt wird, nicht mehrfach vorkommen darf. Dazu kann man sich durch Einfügen von "%=" Labels zusammenbauen, etwa L_a%=, L_b%=, etc. Das "%=" wird durch eine für die Übersetzungseinheit und den Code-Schnippsel eindeutige Zahl ersetzt. Die obigen Sequenzen könnten also z.B. umgesetzt werden als L_a14 und L_b14, wenn sie im gleichen Schnippsel stehen.

Etwas bequemer ist die Verwendung einer Ziffer als Label. Beim Sprung gibt man direkt hinter der Ziffer an, in welche Richtung das Label gesucht wird. Ist das Label n, dann sucht und springt

  • nb zurück (backward)
  • nf nach vorne (forward)

Es wird zum nächsten auffindbaren Label in der angegebenen Richtung gesprungen.

Bits zählen

Dieses Assembler-Schnippsel zählt die Anzahl der gesetzten Bits in einem Byte eingabe. Die Eingabe wird nach rechts ins Carry geschoben, und das Carry zum Ergebnis dazu addiert.

static inline unsigned char count_bits (unsigned char eingabe)
{                                              
   unsigned char count;

   asm ( 
      "clr %0"                "\n"
      "0:"                    "\n\t"
      "lsr %1"                "\n\t"
      "adc %0, __zero_reg__"  "\n\t"
      "tst %1"                "\n\t"
      "brne 0b"
         : "=&r" (count), "+r" (eingabe)
   );

   return count;
}

Damit kann man sich ein Parity bauen:

#define parity(x) (count_bits(x) & 1)

und hätte eine schlankere (aber etwas langsamere) Parity-Implementierung als in avr/parity.h. Ein

if (parity(foo))
   ...

wird in Assembler dann zu (r24 = eingabe, r25 = count):

	lds r24,foo
/* #APP */
	clr r25
0:
	lsr r24
	adc r25, __zero_reg__
	tst r24
	brne 0b
/* #NOAPP */
	sbrs r25,0
	rjmp .L1
        ...

Fallstricke

  • Um die Sonderzeichen "%~" und "%=" benutzen zu können, muss bei parameterlosen Inline Assembler dem Template ein Doppelpunkt folgen:
asm volatile ("%~call some_function" :);
  • Steht das asm an oberster Ebene — also außerhalb einer Funktion — ist weiter zu beachten:
    • Jedes % wird als solches ausgegeben, und es sind keine Operanden erlaubt.
    • Falls die Reihenfolge von asm und Funktionen beibehalten werden soll, muß mit -fno-toplevel-reorder compiliert werden.

Quellen

Dokumentation


GCC-Quellen

Siehe auch